Vorwort

Sie besitzen "Lippen" und "Ohren" und sogar ein "Herz".

Sie können "singen" und "schnurren",

und haben von ihren Vorfahren (den Crotales) die Aufgabe geerbt,

die Musik zu "durchpulsen" (Crotos griech. = Puls)

und scheu und fast unsichtbar aus ihrem Höhlenversteck (der Hand) heraus zu dirigieren:

 

Castagnetten

 

 

Die folgenden Seiten sind der kultiviert verfeinerten Form der archaischen, weltweit verbreiteten Klappern gewidmet, den "Castagnetten", welche im Tanz des 17./18. Jahrhunderts in Frankreich in subtilen Choreographien und anspruchvollen musikalischen Kontexten auf der Theaterbühne eine Hoch-Zeit erlebten.

 

Durch Louis XIV im Tanz geadelt und unter ihm mit einer eigenen Notation geehrt, haben sie sich von den dyonysischen Kult-Instrumenten der Antike über die Volkstänze Südeuropas hin zu apollonischen Kunst-Instrumenten der Neuzeit entwickelt, welche auch nach dem Zeitalter des Sonnenkönigs die Bühnen des Abendlandes erobern:

 

Sei es im 19. Jahrhundert durch die Österreicherin Fanny Elßer mit ihrer "Cachucha", mit der sie ein neues Kastagnetten-Fieber in Europa entfesselte, oder durch die unverzichtbaren spanischen Einlagen in Balletten von P.I. Tschaikovsky, oder, im 20. Jahrhundert, z.B. durch eine "La Argentina" und ihre jugendlichen spieltechnischen Experimente, welche den Castagnetten den Weg als eigenständiges Konzert-Instrument ebneten, und deren Pflege und Verbreitung sich berühmte Tänzer und Tanzethnologen und Kastagnettenvirtuosen wie Matteo Vitucci in Amerika und Emma Maleras und José de Udaeta in Europa bis ins 21. Jahrhundert widmeten.

 

 

(Die folgenden Seiten über Castagnetten sind Neu-Überarbeitungen und Bebilderungen der Artikel "Die Castagnetten-Notation des Monsieur Feuillet von 1700" (erschienen in "Posticeo 4/2001", Köln) und "Barock-Kastagnetten - Informationes - Instructiones - Demontrationes " (Tagungsband des 1. Rothenfelser Symposiums "Morgenröte des Barock", Fagisis Verlag, Freiburg 2004) der Autorin. Siehe auch: "Links".)

 

 

 

 

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